Ich selbst habe zwei Kinder, ein Drittes ist im Anmarsch. Meine Eltern sind leider beide verstorben, haben mich seinerzeit aber – ich würde sagen – durchschnittlich religiös erzogen. Zumindest an den Feiertagen ging es in die Kirche und es war auch immer mal ein Gute-Nacht-Gebet angesagt.

Auch die üblichen Dinge wie Messdienerschaft, Taufe, Kommunion, Firmung (ich bin offensichtlich katholisch) habe ich durchlaufen. Nun hatte ich mir vorgenommen, meine Kinder ebenfalls taufen zu lassen, um ihnen zumindest alle Optionen offen zu halten. Sie besuchen einen katholischen Kindergarten – heute heißt das ja nur noch “Kita” – und gehen aufgrund dessen hin und wieder in die Kirche, wobei ich sie selbstverständlich begleite. Leider habe ich es bis heute versäumt, Worten Taten folgen zu lassen, so sind beide Kinder (2 und 5 Jahre) nach wie vor ungetauft. Vermutlich ist die letzte Chance, alle drei gleichzeitig taufen zu lassen, wenn Nummer drei endlich da ist.

Aber um ehrlich zu sein frage ich mich zunehmend: “warum eigentlich”? Ich selbst glaube nicht an die Kirche und gehe auch nicht aus privaten Gründen in die Kirche. Ich bete nicht und empfinde eher eine Abneigung gegen den Verein. Natürlich nicht gegen die moralischen modernen Ansätze, diese vermittle ich meinen Kindern und ich bin auch völlig offen gegenüber Fragen zu Gott. Ich verneine nichts, was ich nicht zu 100% wissen kann, bin aber ebenso offen gegenüber Buddha, anderen Religionen oder Denkweisen. Ich lasse es gar meinem 5-jährigen frei, ob er an Gott glauben möchte und heiße es gut, dass er es tut. Gleichwohl weiß er, dass ich selbst nicht daran glaube und vermittle ihm, jeder müsse seinen eigenen Glauben für sich entdecken, denn letztendlich weiß niemand mehr oder weniger und jeder muss es für sich selbst erfahren und entdecken.

Also – die Frage die sich nun stellt ist natürlich – taufe ich das Kind nur, weil es hier aufwächst, oder um nicht als Rabenvater dazustehen? Denn aus meinem tiefsten Inneren brauche ich das nicht. Ich brauche auch keine Kommunion oder sonstige Zeremonien. Natürlich feiern wir Weihnachten, Ostern, lieben und leben intensive zusammen, da ich das Glück habe, Zuhause arbeiten zu können. Ich vermittle alle wichtigen Werte und bemühe mich gleichzeitig, keine Lügen aufzutischen. Denn einerseits erwarte ich von meinem Kind, dass es nicht lügt und kann es daher andererseits nicht übers Herz bringen ihm zu erzählen, es gäbe definitive den Weihnachtsmann, Jesus oder Gott. Denn das alleine wäre auch eine Lüge, schließlich weiß ich es nicht.

Schlussendlich glaube ich, dass meine Kinder trotz ihres jungen Alters in der Lage sind, sehr wohl selbst zu entscheiden, was sie wollen, was sie glauben und vor allem zu unterscheiden, was gut ist und was schlecht ist. Wir reisen sehr viel und ich bin stets bestrebt, meinen Kindern zu verstehen zu geben, was für ein großes Glück wir haben, dass wir leben, wo und wie wir leben. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, was er den Kindern mitgibt. Schlussendlich darf ich wohl einfach nur froh sein, dass ich überhaupt die Wahl habe. Alle Möglichkeiten und Optionen offen zu halten kann gut sein, es kann aber auch ebenso schlecht sein. Die Erfahrung wird es zeigen und ich bin gespannt, wie sich die Kleinen entwickeln. Bisher zumindest behaupte ich, läuft alles normal und es ist okay, dass Papa nicht an Gott glaubt.